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KONZERT / "Chormusik der Romantik"

© Schwäbische Post 27.3.2007

 

 

KONZERT / "Chormusik der Romantik" in der evangelischen Stadtkirche Ellwangen

Genuss auf sehr hohem Niveau

Ausschließlich deutschsprachige Komponisten der romantischen Musikepoche standen auf dem Konzertprogramm des "Hohenloher Kammerchores", der auf seiner Konzerttournee am Samstagabend in der evangelischen Stadtkirche in Ellwangen auftrat. Kommendes Wochenende wird er in Gaildorf dasselbe Programm ein letztes Mal singen.

VON BARBARA HAAS

 

Was den Zuhörern sicherlich sofort auffiel, als die 48 Sängerinnen und Sänger den Altarraum betraten, waren die auffallend vielen jungen Gesichter neben den Gründungsmitglieder des 1974 ins Leben gerufenen gemischten Chores. Auch die Relation zwischen Männer- und Frauenstimmen ist "stimmig". Die Voraussetzungen für einen qualitativ guten Chorgesang waren also gegeben.

Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Die seit zwei Jahrzehnten als Pädagogin dem Genre Chormusik professionell sich widmende, selbstbewusste Johanna Irmscher verstand versiert, einfühlsam, aber auch leidenschaftlich ihrem Chor nicht nur Pianissimi und Fortissimi zu entlocken. Der Zuhörer verstand jedes Wort und spürte, dass hier begnadete Laien-Sängerinnen und -Sänger hundertprozentig engagiert auf jeden Fingerzeig ihrer Chorleiterin reagierten und den Raum mit ihren in keinem Augenblick forcierten Stimmen mit einem voluminösen, homogenen und dennoch pulsierenden Klangteppich füllten.

Der qualitativ hohe Anspruchsgehalt der ausgewählten Kompositionen - so die lateinische "Messe" für Doppelchor des 48-jährigen strengen Kalvinisten Frank Martin, oder "Hmyne" und "Abendlied" aus den "Drei geistlichen Gesänge" opus 69 des entschiedenen Klassizisten Josef Rheinberger - verlangt zwangsläufig eine dementsprechend hochwertige Interpretation. Johanna Irmscher kennt ihre Komponisten und deren kompositorischen Eigenheiten und verstand es wunderbar, mit einfallsreicher, aber doch verständiger, sensibler Gestik die vielleicht bekannteste geistliche Vokalkomposition des damals 16-jährigen Rheinberger, nämlich das berühmte sechsstimmige Abendlied "Bleib bei uns" und dessen in den Anfangstakten vorgenommene Rückung von F-Dur nach a-Moll zu hinterfragen und den flehentlichen Gestus der Melodik chorisch subtil umzusetzen - um nur ein Beispiel zu nennen. Kontemplatorisch wirkten auf die nur gut 50 Zuhörerinnen und Zuhörer die Soloeinlagen der Flötistin Cecilia Francesconi. Sie interpretierte drei deutsche Komponisten des 20. Jahrhunderts, deren umfangreiche Werke die Vielzahl der Instrumentengattungen berücksichtigen: Wolfgang Hofmanns "Elegie für Querflöte", Heinz Martin Lonquichs "Invention" und Paul Hindemiths "Acht Stücke für Flöte solo". Als Hindemith in den Zwanzigerjahren diese Stücke komponierte, galt er als der "Bahnbrecher der Moderne", der sein Tonmaterial neu ordnete, ohne jedoch dadurch die Tonalität in Frage zu stellen, um somit die Melodienbildung zu erneuern.

"Densitiy 21,5" schließlich, ein Werk des radikalen "compositeur-chercheur-innovateur" Edgar Varèse kompensiert die "Dichte" des von Krisenperioden gebeutelten, umherirrenden und wieder von schöpferisch kreativen Aufschwüngen zehrenden, international schließlich anerkannten, damals 71-jährigen amerikanischen Komponisten - eine musikalische Herausforderung für die Solistin, zweifellos aber auch eine klangliche Herausforderung für das Ohr des Zuhörers. Nicht enden wollender Applaus überzeugte den Chor, Rheinbergers "Abendlied" noch einmal zu singen. Es war rundum ein Genuss auf sehr, sehr hohem Niveau.

Kammerchor setzt Lichter auf

Aalen

 

28.03.2007

Kammerchor setzt Lichter auf

 

ELLWANGEN - Bei seinem ersten Auftritt in der Ellwanger Stadtkirche hat der Hohenloher Kammerchor seine Zuhörer mit glasklarer Transparenz und sicherer, ungetrübter Intonation überrascht. Im Wechsel mit dem Chor hat die Flötistin Cecilia Francesconi dem Konzerterlebnis mit ihren reizvollen Solostücken helle Lichter aufgesetzt.

Nicht jeder Kammerchor wagt sich an die Interpretation eines so heiklen Werkes wie es die Messe a cappella für zwei vierstimmige Chöre des zeitgenössischen Komponisten Frank Martin (1890-1974) darstellt. Mit dem Kyrie, Gloria und Sanctus stellten die Hohenloher in ihrer Neueinstudierung immerhin drei der fünf Teile dieses eindrucksvollen Beispiels französischer Sakralmusik vor.

Der Chor unter der bewährten Leitung von Professor Johanna Irmscher zeigte sich im Wesentlichen den Schwierigkeiten dieser mit Dissonanzen und häufig wechselnder Rhythmik gespickten Komposition gewachsen, wenn auch in den Anfängen des Kyries die Einsätze noch etwas verzögert kamen und damit das Gefüge noch nicht so ganz geschlossen wirkte.

Dass die 15 Männerstimmen unter den rund 30 Frauen in der Mitte konzentriert und integriert standen, erwies sich für den homogenen Gesamtklang als vorteilhaft. Was die wenigen Tenöre, gestützt durch zwei "Tenorinen", an Glanz etwas vermissen ließen, machten sie durch saubere Tongebung wieder wett.

Im Gloria und Sanctus überzeugten die dynamische Entfaltung des farbigen Klangteppichs, die disziplinierte Zurückhaltung und die ausgefeilte Sprachgestaltung. Die souveräne und ruhige Dirigierweise der Chorleiterin und das hohe Engagement der Sänger und Sängerinnen brachten das Mysterium dieser Messkomposition zum Leuchten. Man darf gespannt sein, wie der Aalener Kammerchor das gleiche Werk darbieten wird, das er momentan unter Thomas Bauer einübt.

Einfühlsames Abendlied

Ausdrucksstark und differenziert präsentierte sich der Hohenloher Chor in den drei Liedern von Max Reger, dem erfrischenden Morgengesang, dem stimmungsvollen Nachtlied und dem innigen "Unser lieben Frauen". Sehr einfühlsam und geschmeidig wirkte das Abendlied "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" von Josef Rheinberger.

Ein Glücksfall für den Chor ist es, wenn er in seinen Reihen eine solch brillante Flötistin hat wie Cecilia Francesconi. Nach Edgar Varéses "Density" mit klagenden, aber auch exzessiv-schrillen Tönen erwies sich die Italienerin als Meisterin künstlerischer Gestaltung im "Introitus" von Heinz Martin Lonquich und in den acht Stücken für Flöte solo von Paul Hindemith. Ihr und dem Chor galt starker Applaus des dankbaren Publikums.

 

szon.de/lokales/aalen/stadt

Der Hohenloher Kammerchor mit Cecilia Francesconi

KONZERT / Der Hohenloher Kammerchor mit Cecilia Francesconi

Schlüssig und wunderbar im Fluss

 

 

Johanna Irmscher dirigiert den Hohenloher Kammerchor. Das Chorkonzert in der St. Josefskirche kontrastierten Flötensoli von Cecilia Francesconi.

 

 

Verdichtete Chorklänge, kontrastiert mit feingliedrigen Flötenklängen präsentierte am Sonntag der Hohenloher Kammerchores unter der Leitung von Johanna Irmscher in der St. Josefskirche.

 

RALF SNURAWA

Frank Martins Messe a cappella für zwei vierstimmige Chöre

GAILDORF Sätze aus Frank Martins Messe a cappella für zwei vierstimmige Chöre aus dem Jahr 1922 bildeten den Rahmen eines ausgesprochen abwechslungsreichen, aber doch in sich sehr schlüssigen Programms. Typisch für das "Kyrie", das "Gloria" und vor allem das "Sanctus" der Messe waren ausgreifende Stimmen, schön umgesetzte Steigerungen durch dynamische und stimmliche Verdichtungen sowie das Hervorheben von Kontrasten. Geradezu zum euphorischen Preisen geriet als Schlussstück das "Sanctus". Alles war wunderbar im Fluss, und die Stimmverflechtungen blieben stets nachvollziehbar. Wie zuvor in Josef Rheinbergers "Abendlied" das Ineinandergreifen der Stimmen und der wärmende Ton des Einkehrens, des In-sich-kehrens und In-sich-ruhens.

 

Sehr innig geriet Max Regers "Nachtlied", choralartig, aber intensiv der "Morgengesang" und "Unser lieben Frauen". Eher schlicht wussten die Sängerinnen und Sänger des Hohenloher Kammerchores Rheinbergers "Hymne" zu halten, was dem Werk ebenso zugute kam wie die zwischen die Chorsätze gespielten Solostücke für Querflöte.

 

Cecilia Francesconi ließ diese Stücke trotz der an Vogelgesang und launischen Scherzando-Ton erinnernden Momente in Paul Hindemiths "Acht Stücken" oder manch scharfer Tongebung in Edgard Varèses "Density 21.5" zu Ruhepunkten werden, die den Stimmenfluss des Chorgesangs unterschwellig nachklingen lassen konnten.

 

Das zeigte sich auch bei Heinz Martin Lonquichs "Introitus" aus dem Jahr 1977 und Wolfgang Hofmanns "Elegie für Querflöte": hier Ein- und Ausschwingen auf der Flöte, durchaus verzierungsreich, aber der Elegie nicht entgegengesetzt - dort das Zusammenfügen von einzelnen Tönen zur Melodie.

 

Erscheinungsdatum: Dienstag 27.03.2007

Quelle: www.suedwest-aktiv.de

 

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