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Joseph Haydn: DIE SCHÖPFUNG

Crailsheim

In Haydns Klangkosmos zu Hause

Das Publikum in der Crailsheimer Johanneskirche geizt nicht mit Applaus. Die Aufführung von Haydns "Die Schöpfung" durch den Hohenloher Kammerchor und das Barockorchester La Banda begeistert.

RALF SNURAWA | 22.10.2013 Inzwischen gehören Konzerte in historischer Aufführungspraxis zum Alltag. Noch immer faszinieren der Klang alter Instrumente genauso wie die stark am menschlichen Atmen und Puls orientierte Wiedergabe. Ungewöhnlich ist ein Konzert mit Barockorchester für den Hohenloher Kammerchor aber schon. Es kommt den Sängern entgegen. Denn die etwas kleinere Orchesterbesetzung unterstützt den Gesangspart viel besser. Dadurch können komplexere Passagen wie die Fuge "Alles lobe seinen Namen" am Ende des zweiten Oratorienteils besonders klar wirken. Und bei allem majestätischen Lobpreisen leidet auch nicht die Textverständlichkeit. Dirigentin Johanna Irmscher achtet darauf, dass ein homogener Chorklang bestimmend ist und konzentriert musiziert wird. So wird etwa das "Dich beten Erd und Himmel an" am Schluss des Duetts mit Chor "Von deiner Güt, o Herr und Gott" wunderbar spannungsvoll gesteigert. Das Terzett der Vokalsolisten harmoniert bis hin zum - auch mit Blick auf den Bläsersatz - abgerundeten Zusammenklang bei "Zu dir, o Herr, blickt alles auf". Im Zusammenwirken mit dem Chor gelingt stimmlich ausgewogenes Singen, beispielsweise bei "Der Herr ist groß in seiner Macht". Und natürlich nehmen die Arien gefangen. Thomas Scharrs Bass zeigt eine baritonale Ausrichtung. Das kommt seiner ersten Arie, "Rollend in schäumenden Wellen" ebenso zugute wie den Adam-und-Eva-Duetten mit Sopranistin Angelika Lenter. Es bringt ihn aber in der Tiefe bei "der Tiere Last" in seiner zweiten Arie an seine Grenzen. Strahlend klingt Andreas Wellers Tenor. Das zeigt schon sich schon in der Höhe zu "der erste Tag entstand" in seiner ersten Arie. Das unterstreicht er in auch weich und sanft getönten Melodiebögen zu "Mit Würd und Hoheit angetan". Angelika Lenter legt ihren Sopran in der Arie "Mit Staunen seht das Wunderwerk" sehr schön über den Chorklang. Mit Esprit geht sie ihren Solopart an. Fast noch sanfter hätte man sich ihre Tongebung zur Arie "Nun beut die Flur das frische Grün" vorstellen können, allerdings kaum anmutiger. In der Arie "Auf starkem Fittiche" mit den trillerartigen Verzierungen zu "und Liebe girrt das zarte Taubenpaar" zeigt sich die klangliche Besonderheit der alten Instrumente. Selten wird man die Kombination von Flöten und Hörnern als geglückter empfinden als mit Traversflöten und Naturhörnern. Die Traversflöte ist gegenüber der heutigen Querflöte auch ein viel weicher getöntes Instrument und damit besser für die "süße Kehle" der Nachtigall geeignet. Das beweist das zweite hinsichtlich Klangsymbolik anschauliche Stück, das Rezitativ des Raphael "Und Gott sprach". Das barocke Kontrafagott darf zum Löwengebrüll besonders kräftig in der Tiefe schnarren. Das "sanfte Schaf" wird von Traversflöten pastoral eingelullt und das "Heer der Insekten" schwirrt besonders fein durch die Darmsaiten der Streicher.